Wo sind die Drachen? - Rezension zu "Feuererwachen" von Rosaria Munda

 


BAND 1

Jugendliche, die in einer neuen Weltordnung für Sicherheit sorgen sollen. Und auf Drachen reiten. 

Eine Welt, die von den Drachenreiter beherrscht wurde. Doch eine blutige Revolution, die die Drachenherrscher stürzte, hat eine neue Zeit eingeläutet und Lee und Annie ihre Familien geraubt. Doch es stehen nun neue Möglichkeiten offen. Die Herkunft ist für den späteren Beruf nicht mehr bedeutend, sondern Talent und Wissen. So können Annie und Lee, obwohl sie Waisen sind, die hoch angesehene Ausbildung zum Drachenreiter absolvieren. In ihrem letzten Ausbildungsjahr soll nun in einem Wettbewerb mit anderen jungen Drachenreitern der neue Anführer der Drachenflotte von Callipolis bestimmt werden. Ein drohender Angriff der einst vertribenen Drachenherrschern stört den Wettbewerb und stürzt Lee in einen großen Gewissenskonflik. Was niemand weiß ist, dass er der totgeglaubte Sohn einer der mächtigen Drachenreiter ist, die in der Revolution gestürzt und grausam ermordet wurden. Soll er sich gegen seine Familie stellen und sich seinen Verwandten anschließen? Kann er seine Freunde im Stich lassen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Roman fast ausschließlich. Man folgt abwechselnd Lee und Annie durch ein sich immer noch im Aufbau befindendes neues Regime, das sie als eine Art Elite-Soldaten schützen und verteidigen. Gleichzeitig befinden sie sich jedoch noch in der Ausbildung. Es ist kompliziert und genau das ein großer Haken des Buches. Die Welt und vor allem die Machverteilung ist sehr komplex und wird detailliert beschrieben. Trotzdem trägt das nicht zum Verständnis bei. Eher verwirren die vielen Details und Begriffe, die man dann hinten in einem Glossar nachschlagen kann. Eine mühselige Arbeit, die den Lesefluss stört. Bis zum Schluss hat man Schwierigkeiten, den Aufbau der Welt zu durchschauen. 
Gut zu verstehen ist die Handlung an sich, die sich vor allem mit Lee's innerem Konflikt befasst. Als Sohn eines mächtigen Drachenherrschers hat er mitansehen müssen, wie seine Familie ermordet wurde. Er selber blieb verschont und kämpft nun mit den Erinnerungen und dem Wissen um seine Herkunft. Niemand sonst weiß davon, denn Lee hat sich eine neue Identität angeeignet. Als nun ein Angriff seiner zum Teil tot geglaubten Verwandten anbahnt, stürzt ihn das in eine Tiefe Zerrissenheit, vor allem weil auch im neuen Staat nicht alles Gold ist, was glänzt. Als Drachenreiter muss er sich für eine Seite entscheiden. 
Diese Entscheidungsfindung verfolgt man als Leser. Und leider sorgt das auch dafür, dass die Handlung passagenweise ins Stocken gerät. Es passiert nichts. Lee quält sich mit seiner Unsicherheit und dann ist da noch Annie, aus deren Sicht auch erzählt wird. 
Sie ist im vergleich zu Lee sehr blass geblieben. Sie stammt aus einem ärmeren Gebiet des Stadtstaates oder Landes (ganz klar wird das nicht. Es fehlt eindeutig eine Karte). Auch Annie ist eine begabte Drachenreiterin und hat es sich zum Ziel gemacht, Erste Reiterin, also Anführerin der Drachenflotte zu werden. Oder nicht? Sie setzt sich mit ihrer Erzählung damit auseinander, was es bedeutet, Verantwortung zu haben. Auch lernt sie langsam, Unsicherheiten zu überwinden und Selbstbewusstsein zu bekommen. 
Spannung und Action kommt bei diesen ganzen Charakterentwicklungen mehr als zu kurz. Spannende Stellen, wie zum Beispiel die Turnierkämpfe, sind in wenigen Seiten abgehandelt. Der bevorstehende Krieg ist genau das. Bevorstehend. 
Interessant an diesem Buch ist vor allem Lee's moralisches Dilemma und die Tatsache, dass hier keinesfalls schwarz-weiß-gemalt wurde. Es gibt kein Gut und Böse. Das macht die Handlung lesenswert und hebt sie deutlich von anderen ab. Leider reicht das nicht aus, um den Spannungsbogen über das gesamte Buch zu halten. 
Und dann ist da noch die Sache mit den Drachen. Obwohl auf dem Cover abgebildet, übernehmen diese Wesen in dem Buch eine untergeordnete Rolle. Sie sind Mittel zum Zweck. Man nutzt sie zum Flug und eigentlich bauen die Reiter auch eine emotionale Bindung zu ihnen auf, können ihre Gefühle mit den Drachen teilen. Aber wirklich Zeit mit ihnen verbringen sie nicht. Man Man ruft sie per Pfeife, reitet ein wenig herum, kämpft vielleicht, landet, steigt wieder ab und der Drache verschwindet im Stall äh Horst. Fertig. Eindeutig verschenktes Potential und ein großer Verlust. 

Durch die langsame Handlung und die auffällige Abwesenheit der Drachen als handelnde Figuren, verliert dieses Buch einiges an Potential. Am Lesen hält einen allein das Interesse, ob oder wie Lee seinen inneren Konflikt lösen wird und wer oder was ihm dabei eventuell hilft. Das Buch endet mit dem Ausblick auf mindestens einen weiteren Band, doch "Feuererwachen" lässt den Leser nicht wirklich mit dem Wunsch nach mehr zurück. 
Autorin: Rosaria Munda

Übersetzerin: Nadine Püschel


Erscheinungsdatum: 21.08.2020

ISBN: 978-3-03880-023-1

Reihe: Feuererwachen

Band 1


Band 2
ohne dt. Titel
Flamefall
Band 3
ohne Titel

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